Wann löst der Crashsensor aus?
Wann löst der Crashsensor aus?
Der Crashsensor löst aus, wenn die gemessene Fahrzeugverzögerung einen Schwellenwert von 3 bis 5 g überschreitet – das entspricht dem Drei- bis Fünffachen der Erdbeschleunigung. Bei Frontalkollisionen liegt die typische Auslöseschwelle bei einer Geschwindigkeitsänderung von etwa 25–30 km/h.
Entscheidend ist nicht die Fahrgeschwindigkeit, sondern wie abrupt das Fahrzeug abgebremst wird. Ein langsames Auffahren auf ein stehendes Auto kann bereits den Crashsensor auslösen, während ein schnelles Streifen an einer Leitplanke unter Umständen nicht ausreicht.
Welche Bedingungen müssen erfüllt sein?
Für die Auslösung müssen mindestens zwei unabhängige Sensoren gleichzeitig einen Aufprall erkennen. Zusätzlich muss der Safing-Sensor die Kollision bestätigen. Erst wenn diese Plausibilitätsprüfung bestanden ist, wird das Schutzsystem aktiviert.
Die Auslösebedingungen im Überblick:
- Verzögerung: Mindestens 3–5 g gemessen durch Beschleunigungssensoren
- Doppelbestätigung: Mindestens zwei Sensoren müssen übereinstimmen
- Safing-Sensor: Zusätzliche Sicherheitsinstanz muss bestätigen
- Zeitfenster: Die Verzögerung muss innerhalb weniger Millisekunden auftreten
Unterschied: Geschwindigkeit vs. Aufprallhärte
Der Crashsensor misst nicht die Fahrgeschwindigkeit, sondern die Verzögerung beim Aufprall. Ein Frontalaufprall mit 30 km/h gegen eine Betonwand löst den Sensor aus, während ein Aufprall mit 80 km/h gegen eine nachgebende Leitplanke möglicherweise nicht ausreicht.
| Szenario | Geschwindigkeit | Auslösung? | Grund |
|---|---|---|---|
| Frontal gegen Betonwand | 25–30 km/h | Ja | Hohe Verzögerung, starres Hindernis |
| Streifend an Leitplanke | 80 km/h | Meist nein | Geringe Verzögerung, weiches Hindernis |
| Auffahrunfall auf Stauende | 50 km/h | Ja | Hohe Differenzgeschwindigkeit |
| Leichter Parkrempler | 5 km/h | Nein | Schwellenwert nicht erreicht |
Welche Schutzsysteme werden aktiviert?
Nach der Auslösung des Crashsensors aktiviert das Steuergerät je nach Unfallschwere verschiedene Schutzsysteme: Airbags, Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer und bei manchen Fahrzeugen auch die automatische Türentriegelung und den Notruf.
- Gurtstraffer: Strafft den Gurt und fixiert den Insassen
- Airbags: Werden stufenweise je nach Aufprallschwere gezündet
- Gurtkraftbegrenzer: Gibt nach dem Straffvorgang kontrolliert nach
- Überrollbügel: Bei Cabrios zum Schutz bei Überschlag
- Türentriegelung: Ermöglicht Rettungskräften den Zugang
- eCall/Notruf: Automatischer Notruf bei modernen Fahrzeugen
Wie unterscheidet sich die Auslösung bei Front-, Seiten- und Heckaufprall?
Die Auslösekriterien unterscheiden sich je nach Aufprallrichtung. Seitenkollisionen erfordern eine schnellere Reaktion, da weniger Knautschzone vorhanden ist. Drucksensoren in den Türen reagieren daher schneller als die Beschleunigungssensoren für Frontalaufpralle.
| Aufprallart | Sensortyp | Reaktionszeit | Schwellenwert |
|---|---|---|---|
| Frontal | Beschleunigungssensor | ca. 15–30 ms | 25–30 km/h Differenz |
| Seitlich | Drucksensor (Tür) | ca. 5–10 ms | Druckanstieg im Hohlraum |
| Heck | Beschleunigungssensor | ca. 15–30 ms | Ähnlich Frontal |
Was passiert nach der Auslösung?
Nach der Auslösung speichert das Airbag-Steuergerät die Crash-Daten und sperrt sich. Der Crashsensor selbst bleibt in der Regel intakt, muss aber zusammen mit dem Steuergerät geprüft werden. Ausgelöste Airbags und Gurtstraffer müssen immer ersetzt werden.
Nach einem Unfall mit Sensorauslösung sind folgende Schritte nötig:
- Fahrzeug nicht weiterfahren – Airbag-System ist deaktiviert
- Werkstatt aufsuchen – Diagnose des gesamten Systems
- Crash-Daten löschen – Im Steuergerät gespeicherte Daten zurücksetzen
- Ausgelöste Komponenten ersetzen – Airbags, Gurtstraffer, ggf. Sensoren
- System neu kalibrieren – Sicherstellung der vollen Funktionsfähigkeit
Häufige Fragen zur Crashsensor-Auslösung
Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Auslösung von Crashsensoren.
Kann der Crashsensor durch ein Schlagloch ausgelöst werden?
In der Regel nein. Die Plausibilitätsprüfung und der Safing-Sensor verhindern Fehlauslösungen durch vertikale Stöße. Die Sensoren sind auf horizontale Verzögerungen bei einem Aufprall kalibriert.
Löst der Crashsensor bei einem Wildunfall aus?
Das hängt von der Größe des Tieres und der Geschwindigkeit ab. Bei einem Zusammenstoß mit größeren Tieren wie Rehen oder Wildschweinen bei höherer Geschwindigkeit kann die Auslöseschwelle erreicht werden.
Muss der Crashsensor nach einer Auslösung getauscht werden?
Nicht zwingend. Der Crashsensor selbst übersteht eine Auslösung meist unbeschädigt. Nur wenn er mechanisch beschädigt ist oder Fehlercodes vorliegen, muss er ersetzt werden. Das Airbag-Steuergerät hingegen muss nach gespeicherten Crash-Daten immer repariert werden.
Warum hat mein Airbag bei einem Unfall nicht ausgelöst?
Die Verzögerung war vermutlich zu gering – etwa bei einem schrägen Aufprall, einem weichen Hindernis oder einer zu niedrigen Geschwindigkeitsänderung. Das System funktioniert korrekt, wenn die Schwellenwerte nicht erreicht werden.